pfarrei
herz jesu
egolzwil-wauwil
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Gottesdienst 25. Dezember 2011
Predigt
ZS
1. „Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht“ So können Sie auf den beiden Plakatwänden von Egolzwil und von Wauwil her lesen. Das erste Wort Ware ohne h und gross und das zweite Wort wahre mit h und klein geschrieben. „Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht“.
2. Zuerst zum ersten Wort. Die Ware Weihnacht. Da verstehen wir schnell, was damit gemeint ist. Weihnachten ist ein Geschäft, ein Geschäft mit Waren. Da wird verkauft und gekauft. Da braucht es sogar die Sonntage, damit die Waren verkauft und gekauft werden können. So gross sind die Wünsche – vom Kind bis zum Senior. Das Christkind hat Grosseinsatz, um alle Waren rechtzeitig unter den Baum zu bringen.
• Ja und im heutigen Evangelium ist auch eine Ware da, welche Weihnachten ausmacht. Es ist Jesus. Er ist das Geschenk. Und er ist sogar eingepackt wie ein Geschenk. Es heisst ja: Und sie wickelte ihn in Windeln. Damit ist nicht gemeint, dass dem Kind Windeln angelegt wurden, sondern damals wurden die Kinder von oben bis unten ganz eingewickelt und eingepackt, damit die bösen Geister keine Angriffsfläche hätten. Jesus das verpackte Geschenk Gottes. Es liegt zwar nur in einer Futterkrippe und nicht unter dem Weihnachtsbaum, aber es ist ein Geschenk, eine Ware.
3. Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht. Wenden wir uns dem zweiten Wort mit h zu. Was ist mit wahr gemeint. Es ist das Wort Wahrheit drin. Wahrheit ist für viele gleichbedeutend wie Übereinstimmung von Tatsache und Aussage. Dann meint es, dass Weihnacht als Wort mit dem Fest Weihnachten übereinstimmen müsste, dass also Weihnachten wirklich Weihnachten ist und nicht ein geheucheltes Fest.
• Doch wahr hat noch eine andere Bedeutung wie echt, richtig, gut. Dann heisst es, dass mit den Waren von Weihnachten, mit den Geschenken von Weihnachten nicht die echte, richtige und wahre Weihnacht da ist. Mögen noch so viele Geschenke ausgetauscht werden, sie machen Weihnachten nicht echter! Oder die Quantität Weihnachten macht nicht die Qualität Weihnachten aus. Die Quantität Weihnachten ist nicht die Qualität Weihnachten.
• Aber Halt! Mit den Waren von Weihnachten, mit den Geschenken ist doch mehr gemeint. Man schenkt einander, um einander etwas mitzuteilen. Du bist mir wichtig. Ich möchte dir Danke sagen. Du liegst mir am Herzen. Dann steckt hinter der Ware Weihnachten die wahre Weihnacht. Da geht es nicht um den Austausch von Waren. Es geht um die Menschen hinter den Waren. Sie wollen durch die Ware Weihnachten mehr als Warenaustausch. Sie wollen wahre Weihnachten im Sinne von Liebe schenken.
• Nun auch in der Ware Jesus in den Windeln steckt die wahre Weihnacht. Es ist mehr dahinter als eine Geburt und ein Geschenk an Josef und Maria. Es ist Gott, der diese Ware Jesus schenkt und damit wahre Weihnachten schenkt und zwar den Menschen. Denn wir hören die Botschaft der Engel: Verherrlicht ist Gott in der Höhe und Frieden bei den Menschen auf Erden. Gott schenkt den Menschen die Ware Jesus, damit wahre, echte Weihnachten wird – Frieden auf Erden.
4. Es war keine Liebe darin... Eine Geschichte
Es war einige Tage kurz vor Weihnachten auf einem Rundgang durch ein Altersheim. Zu dem Zimmer eines alten Herrn, der alleine für sich wohnte, war vor einer Viertelstunde noch die Paketpost heraufgekommen. Darum wunderte ich mich nicht, dass auf mein Klopfen zunächst keine Antwort kam. "Aha, das Weihnachtspaket!" dachte ich. Tatsächlich, als es endlich hiess: "Herein!" stand der alte Herr vor dem Tisch und stocherte in dem eben geöffneten Paket. Man sah auf den ersten Blick, dass es ein reiches Paket war.
• Später hörte ich, dass die Absenderin, die Tochter des alten Herrn, eine reiche Geschäftsfrau war. Damals litten alle Leute Not und Mangel. Es war die Hungerzeit nach den Zweiten Weltkrieg. Doch in diesem Paket sah man Zigarren, Taback, Cognac, Rotwein, gefütterte Schuhe, warme Sachen - alles was man sich ersehnen konnte.
• Der alte Herr aber machte zu all dem nur ein mürrisches Gesicht. Kein Fünkchen Freude war zu sehen. "Aber, Herr Becker", sagte ich jetzt, "wie kann man vor solch einem Weihnachtspaket solch ein trauriges Gesicht machen? Da ist doch alles Gute drin!" Da sah mich der alte Herr an und sagte: "Da ist keine Liebe drin!"
• Dann begann er von der reichen Tochter zu erzählen. Sie hatte das Paket von den Angestellten packen lassen. Sie hatte eine billige, vorgedruckte Weihnachtskarte geholt und darunter geschrieben: "Deine Tochter Luise und Schwiegersohn". Sonst nichts, kein persönlicher Weihnachtswunsch, kein Besuch, keine Einladung: "Feiere das Fest mit uns!"
• Die bestens ausgesuchten Geschenke waren Stück für Stück noch mit den Preisschildern versehen, damit der alte Vater merken sollte, was man für ihn ausgegeben hatte.
• Er hatte recht: "Es ist keine Liebe darin!" Die schönsten und reichsten Geschenke sind nichts wert und können keine Freude machen, wenn keine Liebe darin ist. Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht.